Kolchis

 

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Kolchis

(Wilson-Zyklus)

Inmitten tiefstem Proterozoikums, vor nächtlichen 2 Milliarden Jahren etwa driften Ureuropa, Wolgo-Uralia und Sarmatia ineinander, während jenes noch erdfrühzeitlichen Äons also verschmelzen die drei Platten zur gemeinsamen Landmasse Baltica. Bald eingebunden in den Komplex des Superkontinentes Rodinia, um nach dessen Zerbrechen fortan mit Laurentia die dann schon phanerozoische, erdaltertümliche, nurmehr 440 Millionen Jahre alte Formation Laurussia zu bilden. Bis in das Erdmittelalter hinein erwächst dann aus einem neuerlichen Zusammenschluß mit den weithin verbliebenen Landmassen Gondwana und Sibiria der bisher jüngste Superkontinent: Pangäa. Doch auch dieses Riesenreich ist dem Zerfall anheimgegeben. Seine mächtigen Trümmer ragen heutigen Tags aus farblosem Ozean und bezeichnen die Landmassen einer erdneuzeitlichen Welt.

*

Auch der Fels des Kaukasus war einmal Meeresgrund gewesen. Lichtloses, geschichtloses Leben. Randloser Boden, endloser Mond. Reines Gespür. Vollkommenes Geschöpf. Nichts als Fläche und Flut. Mit Alpen und Himalaya war auch die Gebirgskette am Südrande Balticas dareinst unter tektonischer Brachialgewalt aufgefaltet, aufgespaltet, von klirrenden, flirrenden Äthern umstoben, in ungeheuerlicher, in atemloser Langsamkeit Grate und Gipfel weit über die Welt hinaus angehoben. Auch der Kaukasus, er nun reich durchzogen von Öl und Gas, Gold und Silber, fetten Erzen, klarem Wasser und fruchtbaren Tälern, der erwachende Koloß, auch er streckt sich dem höchsten Punkt dieser neuen, ganz alten Welt, reckt sich dem gleißenden Sonnenstern entgegen.

 

 

 

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Gonologie

 

 

Gonologie

1

(x + y = a)

Der Kopf des Spermiums, wähnend und windend die Weiblichkeit, das Individuum der Fülle, der Unbeschreiblichkeit durchschlungen und auch schon in den speziellsten, den weiblichsten Teil ihrer Teile, in die Eizelle eingedrungen, so halbiert sich der Kopf und dessen Gemenge im Allerheiligsten, verliert sich sein Gestränge im Innersten des Inneren, um dort endlich ganz zu werden. Verschmilzt mit ihrer, mit seiner anderen Hälfte zu einem ureigenen, zu einem ungeahnt neuen, zu einem einzigartigen Kern. Als ewiger Bund sind Wort und Wort von nun an verschworen.

Der Mann entäußert, er verausgabt sich. Das Lied des Jägers verstummt. Schwindet zum Vatersnamen. Der Speer sinkt, gerät zum Pflug.
Die Frau erhört, sie empfängt, sie vollendet sich. Die Sammlerin erwacht zur Mutter. Nicht mehr bunte Federn, fortan schmücken goldene Ähren und silberne Spindeln ihre Schläfen.

 

2

(a = a)

Das Mütterliche der Mutter nimmt platz. Das Wesentliche ihres Wesens schmiegt sich der Mitte an. Wächst dort hinein. Wächst dort hinaus. Das Mütterliche vermehrt, die Mutter verdoppelt sich. Mensch und Mensch. Geschöpf und Geschöpf. Gott und Gott.

 

3

(a ≠ a)

Das Mütterliche der Mutter erzwingt Platz. Das Wesentliche des Wesens bemächtigt sich der Mitte, macht diese selbst zu seinem Rand. Die Enteignung der Mutter ist das Ereignis des Mütterlichen. Dessen Bewandtnis. Dessen Untermauerung. Das Lebende grenzt sich vom Liebenden ab. Mitte einer Mitte. Mensch eines Menschen. Gott eines Gottes.

 

4

(a = b)

Das Ungeborene besinnt sich eines Jenseits. Es entnimmt sich.

Die Mutter offenbart sich. Wort ist Fleisch geworden. Fleisch von ihrem Fleisch. Bein von seinem Bein. Niedergekommen um aufzufahren. Unter Tränen zwingt sie, mit Freuden drängt sie aus dem Paradieseshain hinaus.

Das Ungestorbene, es deutet das Diesseits. Es vergibt sich.

 

5

(b ≠ x + y)

Niemand vermag endlos Gott und Geschöpf zu bleiben. Auch der Mensch muß sich entscheiden. Der Tod lauscht ein Leben lang. Zurück oder voran? Leben oder Liebe? Geschöpf oder Gott?

 

6

(b = z)

Die Mutter singt leise über dem schlafenden Kind: ‚Sollst du denn nun das letzte Glied, das letzte aller Zeichen sein?‘

 

 

 

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Moira

Argo

(Moira: ‚Was geht, das bleibt sich ähnlich. Was steht, das wird sich ändern.‘)

Das Kupferne, das Zeitalter des Seßhaftwerdens, Zeitalter der Erfüllung nach Fluch und Flucht, es dringt seinem Abschluß, seinem Überfluß entgegen. Die wandelnde Natur des Clans wird durch die handelnde Kultur der Stadt endgültig zum Erliegen gebracht. Stehender Jubel erschallt, die Posaunen der Landnahme tönen von den eingehauenen Palisaden. Außenhertreibendes, behendes Lauschen, das Zirpen der Grillen verrinnt zum Traume. Das Eindeutige, recht und zurecht Gewinkeltes, die ganze, aufgerichtete Vernunft des Sonnensterns, die Eingrenzbarkeit jeder Schattenwelt, die Überschaubarkeit, die Übertretbarkeit ihrer Spalten und Schluchten trägt nun weiter als abgründig verschlungene Offenbarungen eines unsteten Trabanten.

Hat der wandernde, der kreisende Mensch der Goldenen Zeit das nicht minder farbige Feuer gebändigt und in seinen Unterschlupf entführt, hat der rastende, durchatmende, sich am wiedererweckten Holze wärmende Mensch der Silberzeit auch seiner selbstentfachten Glut eine Heimstatt geformt und – darin Getreide zu Brot zu backen und Erde zu Keramik zu brennen – den Ofen erfunden, so setzt dann der sich dem Erdplaneten eingrabende, der sich den Himmelssphären aufzwingende Mensch der Kupferzeit auch noch das ewige Gestein in Brand. Biegt nicht mehr nur gediegenes Edelmetall zu Schmuck und Kultgeräten. Jetzt sind es Erze, die er Brocken für Brocken aus den Felsen schlägt, die er kunstvoll vermischt und verhüttet. Jetzt sind es bronzene Waffen, welche er zwischen Schlackefeldern schmiedet.

Jericho, Uruk, Troja, Memphis, Babylon, Jerusalem. Der morgenländische Mensch nimmt platz. Setzt sich zur Wehr. Nachtschwarze Haut bricht auf, Blut und Boden perlt hervor. Altar und Thron, Gold und Silber werden als Palast und Tempel im eingenommenen Erdreich verankert. Nun schon von Burgmauern umfaßt. Bald bewohnt von eingeborenen Bürgern. Von Bauern und Soldaten, Scholle und Schwert, Saft und Kraft, nicht mehr von heimatlosen und längst vertriebenen Jägern, Hirten und Sammlern. Gaunern und Dieben.

*

Das Eiserne, das Zeitalter des Seßhaftseins weitet, Geben und Nehmen, das Zeitalter der Zweideutigkeit breitet sich aus. Priester und Könige. Völker und Sklaven. Kriege und Exil. Theben, Persepolis, Athen, Alexandria, Rom, Byzanz. Geist durchleuchtet den Sternenhimmel. Körper werden vermessen, Götter bemängelt. Freund und Feind massakriert. Auf maßlosen Sieg statt gemeinsamen Frieden gedrungen. Geld ersetzt den Gral. Schrift den Schwur. Schwankung den Kreislauf. Ordnung wird als Wiederholung definiert, Neuerung als Chaos diffamiert. Tempel geraten zu Palästen und Paläste zu Tempeln. Der mediterrane Mensch, sich selbst das letzte, höchste, das einzige Wunder, er thront auf dem Altar. Sich selbst schlimmstes aller Geschöpfe, zündet er das Opferfeuer. Doch die aufgeworfenen Farben, ihre Fetzen glühen nicht. Sie flackern rötlich. Verblassen kühl.

*

Das Bleierne, das Zeitalter des Seßhaftbleibens, das Zeitalter des Schwunds, der giftigen Asche, der grauen, wasserlosen Wolken, es rumort hinter dem Horizont. Jener abendländische Mensch, Held der Zukunft, er ist noch nicht erkoren. Hat noch nicht versagt. Noch nicht verloren. Der schlohweiße, der eiskalte Greis, er hat sich noch nicht in die heranrückende Finsternis, in die undurchdringliche Mannigfaltigkeit des Staubs hineingeboren.

 

 

 

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Patapoliteia (Fiat Pecunia)

 

 

 

(Anmerkungen zur Weltverschwörung)

 

 

2

Tischrede zum Fiat Pecunia

 

Mammon ist kein Gott. Nicht ein einziger Mythos hat ihn je benannt. Nicht ein einziges Mysterium hat ihn je verehrt. Mammon ist niemals Gott gewesen. Wird es niemals sein. Mammon ist Geld und nichts als Geld.1)

Mammon ist das geheiligte Werkzeug. Aus keiner Welt wurde Geld je verbannt. In keiner Wirklichkeit wurde Geld je verwehrt. Mammon ist das heilende Werkzeug. Mittels Geld macht sich der Mensch zu Gott.

Mammon ist ein wundersames Instrument. Mammon macht alles aus allem verfügbar. Macht alles zu allem tauschbar. Gott wird Geschöpf. Geschöpf wird Gott.2) Mammon ist ein magisches Instrument. Mammon macht beide zu Opfern.

*

Mammon ist blind, taub und stumm. Stern ohne Himmel. Hölle ohne Strafe. Potentia pura. Materia ultima. Praesentia tota. Diesseits des Diesseits. Jenseits des Jenseits. Zufall statt Gnade. Ebenbild seiner selbst, jeglichem Original, jeglichem Ursprung enthoben. Mammon beugt die Ewigkeit des Raumes, des Geistes, zur Endlosigkeit des Körpers, der Zeit.3)

Mammon ist nackt. Mammon ist hungrig. Mammon war niemals dumm. Mammon verlangt nach Mammon, um schon im Anfang seine Blöße zu bedecken.4) Mammon ist der Weg. Mammon ist das Ziel. Mammon erkennt Mammon. Mammon vermehrt sich mit Mammon. Mammon verschwört5)6) sich mit Mammon. Mammon ist das Maß aller Dinge.7)

 

Anmerkungen:

1) ‚Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.‘ (Mt 6,24/Luther) – Martin Luther, gnadenloser Polarisierer, begnadeter Phantast, Mohammed des Abendlandes, er wußte, daß das aramäische Wort mitnichten einem Gottesnamen entspricht, sondern schlicht einem jener urchristlichen Sprache allgemein geläufigen Ausdruck für Geld. Zu schlicht für Luther. Zu römisch, zu katholisch. Unser Luther gierte nach Geistern und Dämonen.

2) Auf dem Ölberg, hinter den Ruinen einer Olivenpresse findet die Kosmische Wandlung ihren Abschluß: Gott ist endgültig Mensch und Mensch vollständig Gott geworden. Durch den hohepriesterlichen Rat war kurz zuvor der offizielle Schätzwert für diesen Opfergang auf 30 Denare festgesetzt worden. Das Raugewicht der Hauptsilbermünze Roms beläuft sich zur Zeitenwende auf 4 – 4,5 Gramm.

3) Zeit ist Geld. Flacher Raum kennt kein Werden und Vergehen.

4) Da rief der Mensch: ‚Diesmal ist sie es! / Sie ist genau wie ich, / und sie gehört zu mir, / sie ist ein Stück von mir! / Sie soll Isch-scha heißen, Frau, / denn sie kam vom Isch, dem Mann.‘ Aus diesem Grund verlässt ein Mann seinen Vater und seine Mutter, verbindet sich mit seiner Frau und wird völlig eins mit ihr. Der Mann und seine Frau waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander. (1.Mose 23-25/Neue Evangelistische Übersetzung)

5) Ungeachtet jeden Ansehens, jeden Standes und jeden Rituals. Es ist also durchaus unnötig, wenn nicht sogar unsinnig, jüdische, freimaurerische, drachenfamiliäre oä Weltverschwörungen zu kolportieren.

6) ‚Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß.‘ (1.Mose 6/Luther)

7) Protagoras im 5. vorchristlichen Jahrhundert: ‚Der Mensch ist das Maß aller Dinge, der seienden, daß sie sind, der nichtseienden, daß sie nicht sind.‘

 

 

3

Einschub zum Fiat Pecunia

Ordo ex chao: Ordnung aus Chaos1). Ordnung ist also ein Abbild, ein Entwurf des Chaos. Ordnung ist eine Unterordnung des Chaos.2) Ordnung ist das Abbilden des Chaos auf Chaos. Der Abbildner ist es dann, der sich als Mensch erkennt.

Creatio ex nihilo3): Schöpfung aus dem Nichts.4) Schöpfung ist also das Formulieren, das Verwenden des Nichts. Schöpfung ist die Anwendung des Nichts auf Nichts. Schöpfung ist die Nichtung des Nichts. Der Verneiner ist es dann, der sich zu Gott ernennt.5).

Ein nicht aus sich selbst, also keine anderen Götter erschaffender Gott schöpft nichts als Nichtigkeiten aus dem Nichts.6) Der niemals sich selbst, also immer andere Ordner plazierende Ordner häuft Chaos auf Chaos. Relativiert, intensiviert, optimiert. Der Ordner überhäuft Chaos mit Chaos.

 

 

Anmerkungen:

1) Χάος (griech.): Chaos; urspr. ‚Schlucht‘, ‚klaffende Tiefe‘. Siehe auch תהום (Tehom, hebr.): ‚Meerestiefe‘.

2) Ein ordentliches Chaos (Chaos als Chaos) trägt nirgendwo Ordnung in sich. Ein chaotisches Chaos (Chaos wie Chaos) trägt überall Ordnung in sich.

3) Die frühchristliche Theologie entwickelt den Begriff ‚Creatio ex nihilo‘ in Auseinandersetzung mit der griechischen Philosophie. Diese setzt einen ewigen, ungeordneten Stoff, also Chaos voraus, da aus nichts unmöglich etwas werden kann (‚ex nihilo nihil fit‘).

4) ‚Ich bitte dich, mein Kind, schau dir den Himmel und die Erde an; sieh alles, was es da gibt, und erkenne: Gott hat das aus dem Nichts erschaffen, und so entstehen auch die Menschen.‘ (2.Makkabäer 7,28)

5) ‚In principio erat Verbum, et Verbum erat apud Deum, et Deus erat Verbum.‘ (1.Johannes 1/Vulgata)

6) Parmenides im 5. vorchristlichen Jahrhundert: ‚Auch kann ja die Kraft der Vernunft niemals einräumen, es könne aus Nichtseiendem irgend etwas anderes als eben Nichtseiendes hervorgehen.‘

 

 

 

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Patapoliteia (Beiläufiges zur Weltverschwörung)

 

 

Patapoliteia

(Beiläufiges zur Weltverschwörung)

 

1

Tischrede zur Diversifikation

Der Begriff ‚Volkskörper‘ gilt hinreichend bildungsbürgerlichem Gebrauche der deutschen Sprache zurecht als schamhaft konnotiert, gar diffamiert (1). Als Bestandteil eines ideologie-unabhängigen Konzeptes jedoch kann er einer an friedfertiger Zukunft ausgerichteten und allgemeinem Wohlergehen orientierten Überlegung durchaus tragfähige Dienste leisten. Dabei darf sich die Verwendung allerdings nicht auf in jeder Hinsicht antike Identifikationen bestimmter Berufsgruppen mit Körperteilen (2) oder das im mildesten Falle groteske Ausgrenzen jedes vermeintlich Fremdartigen als Schädlingshaftes beschränken. Vielmehr soll der Begriff ‚Volkskörper‘ das dringliche Vorhandensein sowohl eines äußeren Erscheinungsbildes als auch einer inneren Befindlichkeit der als Staat (3) organisierten Gemeinschaft deutlich implizieren und in gleichem Atemzuge auf die Vorstellung einer Volksseele (4) verweisen.

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Äußere Erscheinungsbilder und innere Befindlichkeiten ändern sich. Divergieren gegeneinander. Eigenschaften, Charakterzüge sind festzustellen. Werden bestätigt oder widerlegt. Entwickeln sich, bleiben oder vergehen. Äußere Erscheinungsbilder und innere Befindlichkeiten unterliegen der Selbsteinschätzung und zugleich einer vielfältigen Wahrnehmung durch Andere. Und auch diese, Selbsteinschätzung wie Wahrnehmung durch Andere, sie ändern sich. Divergieren gegeneinander. Entwickeln sich, bleiben oder vergehen (5).

*

Volkskörper und Volksseele, beide können erkranken, können Verletzungen erleiden. Beide können genesen. Können darben und gedeihen. Niemals allerdings können beide, als Volk geeint, krank oder gesund, in totaler Einsamkeit oder absoluter Einzigartigkeit unabhängig von anderen Völkern überleben. Kein Volk vermag in totaler Einsamkeit oder absoluter Einzigartigkeit als ein Volk zu existieren. Vermag nicht einmal, sich als solches zu denken, zu empfinden (6). Existierte da tatsächlich nur noch ein Volk auf Erden, wäre der Begriff ‚Volk‘ seines irdenen Sinns (7) enthoben. Die Feststellung eines einzigen, eines geeinten Erdenvolkes – soll ihr denn Dauerhaftigkeit innewohnen und nicht schon im Anfang unbezwingbarer Zerfall – bedarf aus sich selbst heraus unbedingt der simultanen Einführung mindestens eines dann eben außerirdischen (8) Volkes.

 

Anmerkungen:

(1) Eingangssatz des betreffenden Wikipedia-Artikels: ‚Der Volkskörper ist einerseits ein Begriff der deutschen Bevölkerungswissenschaft, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand und bis in die Zeit des Nationalsozialismus zunehmend rassenbiologisch definiert wurde. (…)‘

(2) Platon, Aristoteles et al.

(3) In diesem Zusammenhang wird gerade nicht von ‚Nation‘ (lat.: Rasse, Stamm etc.) gesprochen, da die Zugehörigkeit des Einzelnen zur Gemeinschaft eines Volkes ernsthaft niemals ausschließlich von den Umständen der Geburt abhängig zu machen ist.

(4) Voltaire benennt einen ‚esprit des nations‘, Montesquieu einen ‚esprit général‘, Savigny spricht von ‚Volksgeist‘. Angeführt sei natürlich auch Hegels Annahme eines ‚objektiven Geistes‘. Sloterdijk schließlich läßt immerhin eine ’nationale Kohärenz‘ gelten.

(5) Diplomatie wird hier verstanden als spezialisiertes, also letztendlich nicht vollumfängliches und damit eingeschränktes Kommunikationsmodell, das per se nach Erweiterung, nach Nutzung bisher brachliegender, ja sogar nach Schaffung ganz neuer Kanäle verlangt. Eine Verweigerung basaler Kommunikation kann in Richtung Autismus bzw. Hospitalismus gedeutet werden.

(6) Ohne Kontext ist Bedeutung hinfällig.

(7) Etymologisches Wörterbuch des Deutschen: ‚(…) germ. *fulka- ‚Kriegerschar, Heerhaufen‘, vielleicht zu verstehen als ‚die Menge waffenfähiger Männer‘ als Repräsentanten der Gemeinschaft.‘

(8) ‚Außerirdisch‘ auch im Sinne von ‚intraterrestrisch‘.

 

 

 

 

 

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Drachenthron

 

 

Drachenthron

(‚Und es ging aus von Eden ein Strom, den Garten zu bewässern, und teilte sich von da in vier Hauptarme. Der erste heißt Pischon, der fließt um das ganze Land Hawila und dort findet man Gold. Und das Gold des Landes ist sehr rein.‘ – Genesis)

 
Höhen steigen zu hoch. Tiefen fallen zu tief. Mittleres weht auseinander. Inneres schwebt nicht, es zerstiebt. Blut stockt. Boden bricht. Da ist kein Verlaß mehr auf Clan und Kult. Zu oft irren, nur noch verwirren sie. Lügen und trügen, brüllen, blenden und verblassen. Da ist kein Verlaß mehr auf gemeinschaftliche Zeichen und Ziele, auf gemeinsame Zukunft. Der Vielen sind zuviele. Der Wenigen zuwenig. Da ist nichts als Abscheu und Trägheit. Miasma und Myriade. Oben wie unten. Nah wie fern.

Andere sind zu anders. Gleiche zu gleich. Jeder Schwur erstickt am Bund. Jeder Bund zerschellt am Schwur. Alle wissen es. Alle wollen es.

*

Einer jener zahllos, jener wahllos Einsamen – möchte gerade solcher doch endlich bleiben und aufleuchten, bestehen und empfangen – einer jener blicklos blanken Schatten, ortlos, zeitlos, voll von Umriß, bar jeglicher Kontur, er verhandelt das Letzte, das Erste, das Einzige, an einem ehrwürdigen Schalter, durch eine kleine Luke hindurch, unbeobachtet und beinahe wortlos verkauft der Einsame seine Seele. Für zwei Klumpen Silber und ein paar Körner Gold. Tauscht das Ätherische, das Unbegründbare, Unbedingbare ein gegen irdenen Glanz und tellurische Schwere. Wechselt Geschenk in Geschäft. Wandelt Gnade zu Gesetz. Von nun an soll mit jeder neuen Finsternis, mit jedem neuerlichen Höllensturm, mit jeder Katastrophe, mit jedem Untergang der Wert seiner edlen Metalle wachsen, mit jedem Blutbad, mit jedem Krieg des Einsamen Schatz sich vielfach mehren!

*

Das Bett ist verkauft. Auch Mantel und Teller. Alles ist eingetauscht gegen Gold und Silber. Der Einsame haust in Ställen. Hüllt sich in Lumpen. Frißt mit dem Vieh. Der Einsame, er hütet sein Geheimnis. Er harrt und schweigt. Hofft immer neue Finsternis herbei, neuerlichen Höllensturm, Umsturz und Verderben. Der Wert des Schatzes wächst rapide. Der Einsame wartet.

*

Magen, Darm, Leber, Hirn, sie kontrahieren. Sie schrumpfen und schwinden. Sie schmerzen. Herzschlag verlangsamt sich, Körpertemperatur sinkt.

Der Einsame gehorcht. Er hält sich still und unscheinbar. Ist kaum zu unterscheiden, wird kaum bemerkt. Hält sich mehr noch vor sich selbst versteckt. Der Einsame schleicht. Er kriecht und kreist. Läßt sich schelten, verlachen, läßt sich strafen. Beugt sich. Der Einsame schweigt und gehorcht. Er wartet. Wie eine Larve im faulen, im doch so fruchtbaren Dreck. Er denkt nicht. Er schläft kaum. Er wacht nur noch. Der Einsame hütet. Harrt und hofft.

Der Einsame nährt sich von sich selbst, golden fiebernd, silbern starrend, von seinem Fleisch und seinem Blut.

*

Der Einsame, er hat weder Gold noch Silber jemals verkauft. Irgendwo in einem Erdloch, mit Steinen beschwert, hat er die edlen Metalle vergraben. Der Einsame hütet sein Geheimnis noch immer. Noch über den Tod hinaus. Auch er, der Einsame, verscharrt irgendwo in einem Erdloch, vielleicht mit einem Stein beschwert.

 

 

 

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α Tauri

 

 

α Tauri

(‚Denn mein ist das Silber und mein ist das Gold, spricht der Herr Zebaoth‘ – Prophet Haggai)

 

Der schattenhafte Günstling, der Wilde, Fremde, der vermeintlich Gezähmte, von Prinzessinnenhand Erzogene, der am Hofe schmählich Gescheiterte, er zürnt und er plant.

Er zweifelt nicht, zögert nicht. Er schlägt das lahme Wandervolk los vom längst wankenden Sklavenstein. Stachelt an zu Raub und Mord. Reißt die Rechtlosen mitfort auf seiner Flucht aus einem von Dürren und Seuchen gestraften Königsland. Kraftlos verfolgt entflieht der Aufrührer. Hinaus in die Wüste zieht der Empörer und Plünderer. Ins Ortlose, Zeitlose, ins Weglose, Spurlose, ins Namenlose hinein. Zurück zur Dämonin des Durstes, des Hungers, zurück zur goldenen Verschlingerin, Mutter des silbernen Todes. Nur noch dem strahlenden Sonnenstern und einem bleichen Mondenkind entgegen.

Von einem einzigen Gott erwählt, von einem einzigen Gott besessen, mit jedem Schritt ihrer aller Anfang suchend, mit jedem Tritt ihrer aller Anfang setzend, Einziger und des Höchsten Liebeswort, so pilgert, so marschiert er weiter und immer weiter voraus. Entzieht sich den Langsamen, den Verbogenen, Verwickelten, läßt die Begrenzten zurück. Bleibt bald allen fern.

Er ist fort. Steigt nicht mehr herab. Kehrt nie mehr wieder. In die Himmel ist er gefahren. Oder zur Hölle. So fürchtet, so hofft es das im Sandmeer umhertreibende Volk.

*

Der Goldene Stier ist geschmiedet. Ein strotzender, schnaubender Jungbulle. Kraft und Wille, Wut und Würde – gebannt und verbündet, gezähmt und gezüchtet. Verschmolzen in feinstes Metall, zu reinster Form gegossen. Unvergänglich. Unverbrüchlich. Goldener Stier, erste Gottheit eines Herrenmenschen. Eines Seßhaften, Besitzhaften. Eines Besessenen. Goldener Stier, älteste Gottheit des Blutes und des Bodens. Des Reichtums und des Krieges. Älteste Gottheit eines Sklavenhalters.

Kein Tuch, kein Schrein, kein Zelt verbirgt das heilige Bildnis. Jeder kann es sehen. Jeder darf, jeder soll es sehen. Der Stier trägt die aufgehende und die abnehmende Sichel des Mondes als silbern gleißendes Gehörn. Ganz schwarz wird alle Welt und aller Raum um ihn herum. Da ist nur noch der Goldene Stier, der leuchtet. Das glühende Geschöpf hat sich erkannt, es ist zum Gotte aufgestiegen. Jeder muß es sehen.

Ein taumelnder Tanz. Ein rauschendes Fest. Ein betäubender Schrei. Drei irdische, drei erzene Nächte lang. Alles Gold und alles Silber, selbst das der Kindeskinder, ist nunmehr an den Rat der Hohepriester übergeben. Das Volk schläft. Liegt danieder im Morgengrauen, einzeln und zuhauf. Wie Tote, wahllos, ziellos auf einem Schlachtfeld verstreut.

 

 

 

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