Aiaia

Aiaia

Der erste der Exilanten, Händler, Hassardeure, der erste der griechischen Schwarzmeerfahrer, dessen Gliedmaßen nicht schon bald in den transkaukasischen Wäldern zerfallen, in den kolchischen Sümpfen verfaulen, dessen eben noch unbändige Willenskraft sich nicht in den maßlosen Mückenschwärmen des modrigen Phasis verliert, der erste Überlebende, der erste Überlieferte, der erste tatsächlich Bestehende, Bleibende, er trägt von nun an den Namen ‚Aietes‘. Ganz eigentlich dem mittelgriechischen Böotien entsprossen, entflohen den maulenden Rinderherden, den mörderischen Clanfehden, ihrer Dumpfheit, ihrer Unerbittlichkeit, dem allgegenwärtigen Gestank und dem unaufhörlichen Gebrüll – der Gechasste, der Betrogene, der Geächtete hat eine neue Heimat gefunden. Er nennt sich fortan ‚Mann des Landes Aia‘. Tauscht monotone Klage in raschelnde, wispernde, in glucksende Verheißung. Läßt sich ‚Sohn des Helios, Bruder der Kirke, Vater der Medea‘ rufen.

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Medea wird sich als eine jener Urfrauen erweisen, als eine jener Erzeven, welche durch die totale Konzentration ihrer Liebe endlich Macht sogar über das Kulturgesetz des Vaters erlangen. Wie ein Brennglas bündelt das Weib ihr Herzlicht und entzündet ihre apfelroten Wangen in die Finsternis des Alls. Ihre goldenen Augen wollen wissen, was die Nacht verbirgt. Ihre silberne Stirn will nicht erfahren, was der Tag zu offenbaren hat.

Medea wird lichterloh brennen. Eine Sonnenmyriade hell. Medea wird verglühen für den neuen Gott, für den jungen König, wird verlöschen für ihren einen, einzigen Mann. Eine Sonnenmyriade schnell.

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Helios, mit Zeus und Apollo der Dritte im Bunde, er ist als der letzte Menschensohn erschienen, als das letzte Gotteskind, welches durch die vollkommene Entgrenzung seiner Liebe endlich Macht sogar über die Naturgewalten der Mutter erfährt.

Helios, ist er nun Leuchtender? Oder ist er Wärmender? Ist er Licht oder Liebe? Gott oder Geschöpf? Auge oder Hand? Führt Helios zum Ziel? Oder fährt er im Kreise?

Helios, Wanderer der Welten, Hirte der Wolken, Unverwüstlicher, Kenner der Flut, Wahrer der Glut, er hängt an den Pfahl geschlagen. Stiebt nicht hinauf in die Himmel. Noch schwelt er hinab zur Hölle. Knapp über der Erde, da hängt er. Da verendet, da erlischt und erkaltet er. Kurz beklatscht von Knechten. Still beweint von Weibern. Schon verweht, verwaschen. Verschwunden.

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Die Argonauten geraten nach Erlangung des goldenen Vlieses, fliehen, verirren sich nach ihrem Beutezug auf Kirkes Länderei. Spülen an jener sumpfigen, mückenverseuchten Mündung das Blut von ihren Händen. Krümmen sich wie Hunde vor dem schmalen, hohen Tor. Blöken wie Rinder, wie Schafe um schnellen Schutz hinter den schweren, behauenen Steinen des Hofes. Doch Kirke, noch eine der Großen Mütter, Mondgöttin, und doch schon männlich, zum beleuchteten, zum durchleuchteten Objekt gemacht, sie nimmt die kriechenden Recken nicht auf. Verbirgt, versteckt die siechenden Söhne nicht. Die Alte schweigt. Nur noch Herrin der Tiere, nur noch Hüterin der Pflanzen. Die Hexe verweigert sich. Für Räuber eines Tempelschatzes, für Mörder eines Königssprosses, für Menschenkinder ist kein Platz in Kirkes Ställen und Schobern, in ihren heiligen Hainen und Paradiesesgärten.

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Skythai

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Skythai

Der Titan Prometheus, wilder Sproß jener ältesten, von Erde und Himmel selbst hervorgebrachten Göttergemeinde, Sohn des Westherrschers Iapetos und der morgentlichen Asia, einer Okeanide, somit Feuervogel und Quellstein zugleich, ausgestattet noch mit der nicht minder frühen, gar noch ewigen Gabe des Witterns, des Ahnens und Schwanens, des Durchschauens von Himmel und Erde zu einem Universum, der Titan, Lichträuber und Menschenmacher, Prometheus, verschrieen einst als Spion dann als Schänder des Olymps, wohl wahr, er ward auf Befehl des Zeus über der fernsten, tiefsten, über der dunkelsten Schlucht der kaukasischen Felsmassive angeschmiedet. Auf daß ihm ein goldener Greif seine Unsterblichkeit lang an der Leber, dem Sitz des Lebens fräße.

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Schon die Skythen und mit ihnen dann die Sarmaten, nicht weniger wild, nur eben südwestlichster Zug jenes uralten, von Lichträubern und Menschenmachern noch selbst hervorgebrachten Heldengeschlechts, Reiternomaden aus den endlosen Tundren des sibirischen Orients, eingedrungen durch die Riphäischen Hügelwaldungen, versierte Züchter und besessene Schürfer, auch die nunmehrigen, schon seßhaften Bewohner, auch noch in den transkaukasischen Ebenen von Kolchis, an deren Küste erzählten sie vom goldenen Greif. Noch immer streifend im Geiste, schweifend, heimisch wieder nur in Ställen und Minen, wieder Wanderer suchten, fürchteten sie vor allem an Flüssen und Verwerfungen dies ungeheuerliche Tier. Sein schimmerndes Gefieder verriet, ein blutroter Schnabel und nachtschwarze Krallen beschützten die Stätten der auch von Fremden so heiß begehrten Metalle. Sie marschierten, sie schlichen. Immer kämpften sie.

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Äußersten Sphärenbrand, Blitze oder Sternenglast hat Prometheus nie gestohlen. Lohendes Erz, flimmernde Glut, Tropfen, Rinnsale, gar Bäche von irdenem, von innerem Feuer, Gold und Silber, Bronze, Blei, Zinn, Messing und Eisen waren es, an welchen er die Schläfen seiner Geschöpfe entzündete.

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Herakles, blind vor Leben und Liebe, blind vor Wut und Wahn, Sproß der jüngsten Göttergemeinde, er wird einst auf seiner ganz eigenen Fahrt jenen goldenen Greif erjagen und Prometheus von Fels und Kette entbinden. Herakles, einsamster Sohn des neuen Heldengeschlechts, er wird mit einem Schlangenweibe, Lichtmacherin und Menschenräuberin, den letzten König der Skythen zeugen. Deren letztes Reich begründen. Den Argonautenzug hat Herakles dann längst vergessen.

 

 

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Kolchis

 

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Kolchis

(Wilson-Zyklus)

Inmitten tiefstem Proterozoikums, vor nächtlichen 2 Milliarden Jahren etwa driften Ureuropa, Wolgo-Uralia und Sarmatia ineinander, während jenes noch erdfrühzeitlichen Äons also verschmelzen die drei Platten zur gemeinsamen Landmasse Baltica. Bald eingebunden in den Komplex des Superkontinentes Rodinia, um nach dessen Zerbrechen fortan mit Laurentia die dann schon phanerozoische, erdaltertümliche, nurmehr 440 Millionen Jahre alte Formation Laurussia zu bilden. Bis in das Erdmittelalter hinein erwächst dann aus einem neuerlichen Zusammenschluß mit den weithin verbliebenen Landmassen Gondwana und Sibiria der bisher jüngste Superkontinent: Pangäa. Doch auch dieses Riesenreich ist dem Zerfall anheimgegeben. Seine mächtigen Trümmer ragen heutigen Tags aus farblosem Ozean und bezeichnen die Landmassen einer erdneuzeitlichen Welt.

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Auch der Fels des Kaukasus war einmal Meeresgrund gewesen. Lichtloses, geschichtloses Leben. Randloser Boden, endloser Mond. Reines Gespür. Vollkommenes Geschöpf. Nichts als Fläche und Flut. Mit Alpen und Himalaya war auch die Gebirgskette am Südrande Balticas dareinst unter tektonischer Brachialgewalt aufgefaltet, aufgespaltet, von klirrenden, flirrenden Äthern umstoben, in ungeheuerlicher, in atemloser Langsamkeit Grate und Gipfel weit über die Welt hinaus angehoben. Auch der Kaukasus, er nun reich durchzogen von Öl und Gas, Gold und Silber, fetten Erzen, klarem Wasser und fruchtbaren Tälern, der erwachende Koloß, auch er streckt sich dem höchsten Punkt dieser neuen, ganz alten Welt, reckt sich dem gleißenden Sonnenstern entgegen.

 

 

 

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Gonologie

 

 

Gonologie

1

(x + y = a)

Der Kopf des Spermiums, wähnend und windend die Weiblichkeit, das Individuum der Fülle, der Unbeschreiblichkeit durchschlungen und auch schon in den speziellsten, den weiblichsten Teil ihrer Teile, in die Eizelle eingedrungen, so halbiert sich der Kopf und dessen Gemenge im Allerheiligsten, verliert sich sein Gestränge im Innersten des Inneren, um dort endlich ganz zu werden. Verschmilzt mit ihrer, mit seiner anderen Hälfte zu einem ureigenen, zu einem ungeahnt neuen, zu einem einzigartigen Kern. Als ewiger Bund sind Wort und Wort von nun an verschworen.

Der Mann entäußert, er verausgabt sich. Das Lied des Jägers verstummt. Schwindet zum Vatersnamen. Der Speer sinkt, gerät zum Pflug.
Die Frau erhört, sie empfängt, sie vollendet sich. Die Sammlerin erwacht zur Mutter. Nicht mehr bunte Federn, fortan schmücken goldene Ähren und silberne Spindeln ihre Schläfen.

 

2

(a = a)

Das Mütterliche der Mutter nimmt platz. Das Wesentliche ihres Wesens schmiegt sich der Mitte an. Wächst dort hinein. Wächst dort hinaus. Das Mütterliche vermehrt, die Mutter verdoppelt sich. Mensch und Mensch. Geschöpf und Geschöpf. Gott und Gott.

 

3

(a ≠ a)

Das Mütterliche der Mutter erzwingt Platz. Das Wesentliche des Wesens bemächtigt sich der Mitte, macht diese selbst zu seinem Rand. Die Enteignung der Mutter ist das Ereignis des Mütterlichen. Dessen Bewandtnis. Dessen Untermauerung. Das Lebende grenzt sich vom Liebenden ab. Mitte einer Mitte. Mensch eines Menschen. Gott eines Gottes.

 

4

(a = b)

Das Ungeborene besinnt sich eines Jenseits. Es entnimmt sich.

Die Mutter offenbart sich. Wort ist Fleisch geworden. Fleisch von ihrem Fleisch. Bein von seinem Bein. Niedergekommen um aufzufahren. Unter Tränen zwingt sie, mit Freuden drängt sie aus dem Paradieseshain hinaus.

Das Ungestorbene, es deutet das Diesseits. Es vergibt sich.

 

5

(b ≠ x + y)

Niemand vermag endlos Gott und Geschöpf zu bleiben. Auch der Mensch muß sich entscheiden. Der Tod lauscht ein Leben lang. Zurück oder voran? Leben oder Liebe? Geschöpf oder Gott?

 

6

(b = z)

Die Mutter singt leise über dem schlafenden Kind: ‚Sollst du denn nun das letzte Glied, das letzte aller Zeichen sein?‘

 

 

 

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Moira

Argo

(Moira: ‚Was geht, das bleibt sich ähnlich. Was steht, das wird sich ändern.‘)

Das Kupferne, das Zeitalter des Seßhaftwerdens, Zeitalter der Erfüllung nach Fluch und Flucht, es dringt seinem Abschluß, seinem Überfluß entgegen. Die wandelnde Natur des Clans wird durch die handelnde Kultur der Stadt endgültig zum Erliegen gebracht. Stehender Jubel erschallt, die Posaunen der Landnahme tönen von den eingehauenen Palisaden. Außenhertreibendes, behendes Lauschen, das Zirpen der Grillen verrinnt zum Traume. Das Eindeutige, recht und zurecht Gewinkeltes, die ganze, aufgerichtete Vernunft des Sonnensterns, die Eingrenzbarkeit jeder Schattenwelt, die Überschaubarkeit, die Übertretbarkeit ihrer Spalten und Schluchten trägt nun weiter als abgründig verschlungene Offenbarungen eines unsteten Trabanten.

Hat der wandernde, der kreisende Mensch der Goldenen Zeit das nicht minder farbige Feuer gebändigt und in seinen Unterschlupf entführt, hat der rastende, durchatmende, sich am wiedererweckten Holze wärmende Mensch der Silberzeit auch seiner selbstentfachten Glut eine Heimstatt geformt und – darin Getreide zu Brot zu backen und Erde zu Keramik zu brennen – den Ofen erfunden, so setzt dann der sich dem Erdplaneten eingrabende, der sich den Himmelssphären aufzwingende Mensch der Kupferzeit auch noch das ewige Gestein in Brand. Biegt nicht mehr nur gediegenes Edelmetall zu Schmuck und Kultgeräten. Jetzt sind es Erze, die er Brocken für Brocken aus den Felsen schlägt, die er kunstvoll vermischt und verhüttet. Jetzt sind es bronzene Waffen, welche er zwischen Schlackefeldern schmiedet.

Jericho, Uruk, Troja, Memphis, Babylon, Jerusalem. Der morgenländische Mensch nimmt platz. Setzt sich zur Wehr. Nachtschwarze Haut bricht auf, Blut und Boden perlt hervor. Altar und Thron, Gold und Silber werden als Palast und Tempel im eingenommenen Erdreich verankert. Nun schon von Burgmauern umfaßt. Bald bewohnt von eingeborenen Bürgern. Von Bauern und Soldaten, Scholle und Schwert, Saft und Kraft, nicht mehr von heimatlosen und längst vertriebenen Jägern, Hirten und Sammlern. Gaunern und Dieben.

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Das Eiserne, das Zeitalter des Seßhaftseins weitet, Geben und Nehmen, das Zeitalter der Zweideutigkeit breitet sich aus. Priester und Könige. Völker und Sklaven. Kriege und Exil. Theben, Persepolis, Athen, Alexandria, Rom, Byzanz. Geist durchleuchtet den Sternenhimmel. Körper werden vermessen, Götter bemängelt. Freund und Feind massakriert. Auf maßlosen Sieg statt gemeinsamen Frieden gedrungen. Geld ersetzt den Gral. Schrift den Schwur. Schwankung den Kreislauf. Ordnung wird als Wiederholung definiert, Neuerung als Chaos diffamiert. Tempel geraten zu Palästen und Paläste zu Tempeln. Der mediterrane Mensch, sich selbst das letzte, höchste, das einzige Wunder, er thront auf dem Altar. Sich selbst schlimmstes aller Geschöpfe, zündet er das Opferfeuer. Doch die aufgeworfenen Farben, ihre Fetzen glühen nicht. Sie flackern rötlich. Verblassen kühl.

*

Das Bleierne, das Zeitalter des Seßhaftbleibens, das Zeitalter des Schwunds, der giftigen Asche, der grauen, wasserlosen Wolken, es rumort hinter dem Horizont. Jener abendländische Mensch, Held der Zukunft, er ist noch nicht erkoren. Hat noch nicht versagt. Noch nicht verloren. Der schlohweiße, der eiskalte Greis, er hat sich noch nicht in die heranrückende Finsternis, in die undurchdringliche Mannigfaltigkeit des Staubs hineingeboren.

 

 

 

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Patapoliteia (Fiat Pecunia)

 

 

 

(Anmerkungen zur Weltverschwörung)

 

 

2

Tischrede zum Fiat Pecunia

 

Mammon ist kein Gott. Nicht ein einziger Mythos hat ihn je benannt. Nicht ein einziges Mysterium hat ihn je verehrt. Mammon ist niemals Gott gewesen. Wird es niemals sein. Mammon ist Geld und nichts als Geld.1)

Mammon ist das geheiligte Werkzeug. Aus keiner Welt wurde Geld je verbannt. In keiner Wirklichkeit wurde Geld je verwehrt. Mammon ist das heilende Werkzeug. Mittels Geld macht sich der Mensch zu Gott.

Mammon ist ein wundersames Instrument. Mammon macht alles aus allem verfügbar. Macht alles zu allem tauschbar. Gott wird Geschöpf. Geschöpf wird Gott.2) Mammon ist ein magisches Instrument. Mammon macht beide zu Opfern.

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Mammon ist blind, taub und stumm. Stern ohne Himmel. Hölle ohne Strafe. Potentia pura. Materia ultima. Praesentia tota. Diesseits des Diesseits. Jenseits des Jenseits. Zufall statt Gnade. Ebenbild seiner selbst, jeglichem Original, jeglichem Ursprung enthoben. Mammon beugt die Ewigkeit des Raumes, des Geistes, zur Endlosigkeit des Körpers, der Zeit.3)

Mammon ist nackt. Mammon ist hungrig. Mammon war niemals dumm. Mammon verlangt nach Mammon, um schon im Anfang seine Blöße zu bedecken.4) Mammon ist der Weg. Mammon ist das Ziel. Mammon erkennt Mammon. Mammon vermehrt sich mit Mammon. Mammon verschwört5)6) sich mit Mammon. Mammon ist das Maß aller Dinge.7)

 

Anmerkungen:

1) ‚Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.‘ (Mt 6,24/Luther) – Martin Luther, gnadenloser Polarisierer, begnadeter Phantast, Mohammed des Abendlandes, er wußte, daß das aramäische Wort mitnichten einem Gottesnamen entspricht, sondern schlicht einem jener urchristlichen Sprache allgemein geläufigen Ausdruck für Geld. Zu schlicht für Luther. Zu römisch, zu katholisch. Unser Luther gierte nach Geistern und Dämonen.

2) Auf dem Ölberg, hinter den Ruinen einer Olivenpresse findet die Kosmische Wandlung ihren Abschluß: Gott ist endgültig Mensch und Mensch vollständig Gott geworden. Durch den hohepriesterlichen Rat war kurz zuvor der offizielle Schätzwert für diesen Opfergang auf 30 Denare festgesetzt worden. Das Raugewicht der Hauptsilbermünze Roms beläuft sich zur Zeitenwende auf 4 – 4,5 Gramm.

3) Zeit ist Geld. Flacher Raum kennt kein Werden und Vergehen.

4) Da rief der Mensch: ‚Diesmal ist sie es! / Sie ist genau wie ich, / und sie gehört zu mir, / sie ist ein Stück von mir! / Sie soll Isch-scha heißen, Frau, / denn sie kam vom Isch, dem Mann.‘ Aus diesem Grund verlässt ein Mann seinen Vater und seine Mutter, verbindet sich mit seiner Frau und wird völlig eins mit ihr. Der Mann und seine Frau waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander. (1.Mose 23-25/Neue Evangelistische Übersetzung)

5) Ungeachtet jeden Ansehens, jeden Standes und jeden Rituals. Es ist also durchaus unnötig, wenn nicht sogar unsinnig, jüdische, freimaurerische, drachenfamiliäre oä Weltverschwörungen zu kolportieren.

6) ‚Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß.‘ (1.Mose 6/Luther)

7) Protagoras im 5. vorchristlichen Jahrhundert: ‚Der Mensch ist das Maß aller Dinge, der seienden, daß sie sind, der nichtseienden, daß sie nicht sind.‘

 

 

3

Einschub zum Fiat Pecunia

Ordo ex chao: Ordnung aus Chaos1). Ordnung ist also ein Abbild, ein Entwurf des Chaos. Ordnung ist eine Unterordnung des Chaos.2) Ordnung ist das Abbilden des Chaos auf Chaos. Der Abbildner ist es dann, der sich als Mensch erkennt.

Creatio ex nihilo3): Schöpfung aus dem Nichts.4) Schöpfung ist also das Formulieren, das Verwenden des Nichts. Schöpfung ist die Anwendung des Nichts auf Nichts. Schöpfung ist die Nichtung des Nichts. Der Verneiner ist es dann, der sich zu Gott ernennt.5).

Ein nicht aus sich selbst, also keine anderen Götter erschaffender Gott schöpft nichts als Nichtigkeiten aus dem Nichts.6) Der niemals sich selbst, also immer andere Ordner plazierende Ordner häuft Chaos auf Chaos. Relativiert, intensiviert, optimiert. Der Ordner überhäuft Chaos mit Chaos.

 

 

Anmerkungen:

1) Χάος (griech.): Chaos; urspr. ‚Schlucht‘, ‚klaffende Tiefe‘. Siehe auch תהום (Tehom, hebr.): ‚Meerestiefe‘.

2) Ein ordentliches Chaos (Chaos als Chaos) trägt nirgendwo Ordnung in sich. Ein chaotisches Chaos (Chaos wie Chaos) trägt überall Ordnung in sich.

3) Die frühchristliche Theologie entwickelt den Begriff ‚Creatio ex nihilo‘ in Auseinandersetzung mit der griechischen Philosophie. Diese setzt einen ewigen, ungeordneten Stoff, also Chaos voraus, da aus nichts unmöglich etwas werden kann (‚ex nihilo nihil fit‘).

4) ‚Ich bitte dich, mein Kind, schau dir den Himmel und die Erde an; sieh alles, was es da gibt, und erkenne: Gott hat das aus dem Nichts erschaffen, und so entstehen auch die Menschen.‘ (2.Makkabäer 7,28)

5) ‚In principio erat Verbum, et Verbum erat apud Deum, et Deus erat Verbum.‘ (1.Johannes 1/Vulgata)

6) Parmenides im 5. vorchristlichen Jahrhundert: ‚Auch kann ja die Kraft der Vernunft niemals einräumen, es könne aus Nichtseiendem irgend etwas anderes als eben Nichtseiendes hervorgehen.‘

 

 

 

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Patapoliteia (Beiläufiges zur Weltverschwörung)

 

 

Patapoliteia

(Beiläufiges zur Weltverschwörung)

 

1

Tischrede zur Diversifikation

Der Begriff ‚Volkskörper‘ gilt hinreichend bildungsbürgerlichem Gebrauche der deutschen Sprache zurecht als schamhaft konnotiert, gar diffamiert (1). Als Bestandteil eines ideologie-unabhängigen Konzeptes jedoch kann er einer an friedfertiger Zukunft ausgerichteten und allgemeinem Wohlergehen orientierten Überlegung durchaus tragfähige Dienste leisten. Dabei darf sich die Verwendung allerdings nicht auf in jeder Hinsicht antike Identifikationen bestimmter Berufsgruppen mit Körperteilen (2) oder das im mildesten Falle groteske Ausgrenzen jedes vermeintlich Fremdartigen als Schädlingshaftes beschränken. Vielmehr soll der Begriff ‚Volkskörper‘ das dringliche Vorhandensein sowohl eines äußeren Erscheinungsbildes als auch einer inneren Befindlichkeit der als Staat (3) organisierten Gemeinschaft deutlich implizieren und in gleichem Atemzuge auf die Vorstellung einer Volksseele (4) verweisen.

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Äußere Erscheinungsbilder und innere Befindlichkeiten ändern sich. Divergieren gegeneinander. Eigenschaften, Charakterzüge sind festzustellen. Werden bestätigt oder widerlegt. Entwickeln sich, bleiben oder vergehen. Äußere Erscheinungsbilder und innere Befindlichkeiten unterliegen der Selbsteinschätzung und zugleich einer vielfältigen Wahrnehmung durch Andere. Und auch diese, Selbsteinschätzung wie Wahrnehmung durch Andere, sie ändern sich. Divergieren gegeneinander. Entwickeln sich, bleiben oder vergehen (5).

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Volkskörper und Volksseele, beide können erkranken, können Verletzungen erleiden. Beide können genesen. Können darben und gedeihen. Niemals allerdings können beide, als Volk geeint, krank oder gesund, in totaler Einsamkeit oder absoluter Einzigartigkeit unabhängig von anderen Völkern überleben. Kein Volk vermag in totaler Einsamkeit oder absoluter Einzigartigkeit als ein Volk zu existieren. Vermag nicht einmal, sich als solches zu denken, zu empfinden (6). Existierte da tatsächlich nur noch ein Volk auf Erden, wäre der Begriff ‚Volk‘ seines irdenen Sinns (7) enthoben. Die Feststellung eines einzigen, eines geeinten Erdenvolkes – soll ihr denn Dauerhaftigkeit innewohnen und nicht schon im Anfang unbezwingbarer Zerfall – bedarf aus sich selbst heraus unbedingt der simultanen Einführung mindestens eines dann eben außerirdischen (8) Volkes.

 

Anmerkungen:

(1) Eingangssatz des betreffenden Wikipedia-Artikels: ‚Der Volkskörper ist einerseits ein Begriff der deutschen Bevölkerungswissenschaft, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand und bis in die Zeit des Nationalsozialismus zunehmend rassenbiologisch definiert wurde. (…)‘

(2) Platon, Aristoteles et al.

(3) In diesem Zusammenhang wird gerade nicht von ‚Nation‘ (lat.: Rasse, Stamm etc.) gesprochen, da die Zugehörigkeit des Einzelnen zur Gemeinschaft eines Volkes ernsthaft niemals ausschließlich von den Umständen der Geburt abhängig zu machen ist.

(4) Voltaire benennt einen ‚esprit des nations‘, Montesquieu einen ‚esprit général‘, Savigny spricht von ‚Volksgeist‘. Angeführt sei natürlich auch Hegels Annahme eines ‚objektiven Geistes‘. Sloterdijk schließlich läßt immerhin eine ’nationale Kohärenz‘ gelten.

(5) Diplomatie wird hier verstanden als spezialisiertes, also letztendlich nicht vollumfängliches und damit eingeschränktes Kommunikationsmodell, das per se nach Erweiterung, nach Nutzung bisher brachliegender, ja sogar nach Schaffung ganz neuer Kanäle verlangt. Eine Verweigerung basaler Kommunikation kann in Richtung Autismus bzw. Hospitalismus gedeutet werden.

(6) Ohne Kontext ist Bedeutung hinfällig.

(7) Etymologisches Wörterbuch des Deutschen: ‚(…) germ. *fulka- ‚Kriegerschar, Heerhaufen‘, vielleicht zu verstehen als ‚die Menge waffenfähiger Männer‘ als Repräsentanten der Gemeinschaft.‘

(8) ‚Außerirdisch‘ auch im Sinne von ‚intraterrestrisch‘.

 

 

 

 

 

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